How to Commission a Book Sprint

Featured

If you wish to commission a Book Sprint follow this simple process:

  1. Choose a topic. Think about the topic in terms of a title and subtitle for your book.
  2. Consider a range of possible dates and locations.
  3. Contact adam@booksprints.net to discuss dates, how to select participants, necessary venue requirements, facilitation possibilities, budget and pre-event preparation.

Interview with Michel van Dartel

from http://www.v2.nl/archive/articles/interview-with-michel-van-dartel-on-the-new-aesthetic


by Joris van Ballegooijen, June 20, 2012

Michel van Dartel is curator and project manager at V2_, he also researched knowledge representation in robot models of cognition and holds a PhD in Artificial Intelligence and an MSc in Cognitive Psychology. This week he participates in the booksprint Fiddling While Rome Burns.

JvB: Can you say something about the text you are writing for the book?

MvD: In my chapter I will go back to the root of the New Aesthetic, theTumblr-site of James Bridle, and his blog. I wonder if the observations that people post there belong in the same ‘bucket’ as the artworks that are referred to. Basically the New Aesthetics-Tumblr is a collection of ‘stuff’ which shows how online digital culture has burst out into the physical realm. It is a very varied mix of stuff. There are things that people have stumbled upon in their environment, like advertisements that have glitches, or pixelated-images, examples of military camouflage that looks like pixels. But there are also some artworks that intentionally make a point about the difference between online artifacts and behaviors, and physical artifacts and behavior, and how these sometimes seem to clash, or have a problematic relation. I think that the artworks that make such a point, that are a statement about the relation between the virtual and the physical realm, are very different from the others things that have accidentally happened or that people have just stumbled upon, and which are referred to on the New Aesthetics Tumblr. But I am still in the phase of structuring the chapter, so I can’t put down my exact argument yet. In fact I am trying to formulate what I thought and felt when I first looked at the New Aesthetics Tumblr: does this artwork really fit in with all this other stuff?

The group is quite diverse. You are one of the curators, others have an academic background. How is it to write as a curator amidst such a group?

There is definitely a big challenge in bringing together the theoretical and the practical perspective. But it is interesting, and it is good to exchange ideas. How it is beginning to work out in practice is that the theorists frame the problem and the positions. They write the introduction and the concluding chapters. The curators on the other hand fill in the body of the book, taking very concrete examples, writing about specific artworks, discussing them. We also do a close reading of the New Aesthtic-tumblr and blog, by looking at it as an online exhibition.

What for you is the New Aesthetic? And why is it not the New Aesthetics?

Well, the New Aesthetics – as a movement – is actually a bit older than the New Aesthetic of James Bridle’s Tumblr-site. That is something which I, by the way, only found out in the course of this project.

But both have a relation with the digital?

Yes, although the New Aesthetics makes a broader statement about the influence of technology.

Yesterday Nat Muller stated that according to her it is already revolutionary to be able to talk about aesthetics in the context of new media art at all …

That might partly be a result of the current New Aesthetic discussion. Till quite recently new media art was mostly about technology on a screen, and not about technology in the physical realm. So one thing we might write about is the idea of about how technology (for new media art) has moved ‘into world’, and ‘out of the screen’. The question is then, is the New Aesthetic critically assessing this, is it a term that allows us to see this, or is it only a new, handy label for a development which has been happening for a long time already?

Update zum Thema #booksprints


Adam Hyde hat den Artikel von Esther Debus-Gregor zu #booksprint auf unserem Blog hier irgendwie mitbekommen… und gleich seine Unterstützung angeboten. Esther hat dann mit Adam unverzüglich ein Skype-Meeting vereinbart. Das hatten wir heute Abend.

Adam Hyde hat nach eigenen Angaben ca. 40 Sprints in sehr unterschiedlicher Form durchgeführt. Unter anderem im Rahmen der transmediale, mit dem Coworking-Space Berlinund Mozilla. Er arbeitet seit 4 Jahren daran, seine Methode zu verfeinern und ist sehr interessiert, sie weiter zu entwickeln sowie in einen Erfahrungsaustausch mit Leuten zu gehen, die diese Methode erproben.

Daher hier einge Gedanken aus unserem Meeting:

  • Remote Participation: es ist gut, eine Booksprint-Veranstaltung offen zu halten und via Netz transparent zu kommunizieren. Die Erfahrung zeigt aber, daß Teilnehmer, die nicht an der Präsenzveranstaltung teilnehmen können,
  1. ihre vorherige Zusage zur Remote-Teilnahme oft nicht einhalten
  2. sich nicht wirklich als Teil des Entstehungsprozesses des “Buches”/Endproduktes empfinden
  • Collaboration: Zu einem Booksprint sollten Leute eingeladen werden, die wirklich kollaborativ arbeiten wollen. Diese müssen bereit sein, ihre “Persönlichkeit” an der Tür abzugeben – was heißen soll: sie müssen bereit sein, nicht in eine Challenge, also einen Wettbewerb zu treten, sondern sich den Regeln des Sprints unterzuordnen. Er nannte es:Leave your authority at the door!
  • Publishing Software: Adam hat Booktype vorgeschlagen, das scheinbar verschiedene Optionen bedient, die im Zuge von Layout und Veröffentlichung zur Diskussion stehen. Esther will sich mit der Plattform beschäftigen und später berichten.
  • Moderating: Laut Adams Erfahrung braucht es mindestens eineN ModeratorIn, der/die einen Produktionsprozess leiten und befördern kann. Ergänzend könnte ein “Socializer” sinnvoll sein, der sich abseits vom Produktionsprozess um emotionale Bedürfnisse und das “Commitment” der Teilnehmer kümmert. Bei unserem Projekt ist parallel thematisch orientierte Kleingruppenarbeit denkbar – hier bräuchte es dann wiederum je eineN VerantwortlicheN für die Teilentstehungsprozesse.
  • Authorship: Leute wollen sich als Autoren wahrnehmen, was zwei komplizierte Ebenen impliziert.
  1. Alle, die bestehenden Content überarbeiten sollen, sind erstmal nicht Autoren, sondern müssen sich einlesen und sich dann “überwinden” bzw. “beherrschen”. Wie stark greifen sie in den bestehenden Content ein?
  2. Alle, die vorab Content produziert haben, sehen sich der Gefahr ausgesetzt, daß ihre Texte stark verändert werden und somit ihre Autorenschaft “verschwindet”.
  • Communication: im Vorfeld des Sprints müssen die Regeln wiederholt und sehr klar kommuniziert werden.

Die letzten beiden Punkte zu diskutieren war für mich besonders aufschlußreich. Denn sie betreffen die Produktion von Content im Vorfeld – den nächsten Planungsschritt von Monika und mir – sowie die kritischen Punkte im Gesamtprozess überhaupt.

  1. Content… wollten wir in den nächsten Monaten über individuelle Ansprache generieren. Mit AutorInnen, die im Vorfeld Content bereit stellen wollen, müssen Fragen zumAuthorship diskutiert werden.
  2. Communication… es muss noch einmal klar gestellt werden, daß es beim Projekt #wipranicht darum geht, daß wir Netzwerkler aus dem Neuen Lernen ein Buch für uns mit Best-Practice-Beispielen erstellen.

Nochmal zur Klärung, worum es bei #wipra eigentlich geht:

Die Sammlung soll hochwertig sein im Sinne der professionellen Berichterstattung über fundierte Erfahrung mit Neuem Lernen und auch der Untermauerung durch ergänzende Literatur, zugleich aber runter gebrochen werden – wie Journalisten es sagen – also in Schriftform letztlich so dargestellt werden, daß sie für Jedermann verständlich ist.

Booksprint! Oder: mal anders veröffentlichen…

from http://1geheimprojekt.wordpress.com/2012/06/10/booksprint-oder-mal-anders-veroffentlichen/


Sprung ins freie Veröffentlichen

Sprung ins freie Veröffentlichen

Schon angekündigt, und hier ist er nun: ein toller Artikel von Dr. Esther Debus-Gregor. Sie arbeitet als freie Redakteurin und Lektorin mit dem Schwerpunkt Sprachen, Lerninhalte, Wissensmanagement. Daneben berät und unterstützt sie Verlage und Unternehmen beim intelligenten Strukturieren von Dokumenten sowie beim Einsatz und der Pflege von Wikis.
twitter.com/edyssee

Was ist ein Booksprint?

Ein Booksprint ist eine Methode zum gemeinschaftlichen Verfassen von Handbüchern, entwickelt von Tomas Krag und Adam Hyde. Der Begriff erinnert an die Programmiersprints in der agilen Softwareentwicklung. Im Kern handelt es sich um eine Art Barcamp, wobei die Teilnehmer allerdings keine Vorträge oder Workshops halten, sondern einen Fachartikel aus ihrem Spezialgebiet schreiben. Dabei gilt es, Bücher im Schnellverfahren zu erstellen – innerhalb einer Woche vom Konzept übers Schreiben bis zur Auslieferung.

Wie läuft ein Booksprint ab?

Eine Gruppe von 5-10 Experten setzt sich in einem Raum zusammen und verfasst gemeinsam ein Buch – online, innerhalb von 2-5 Tagen mithilfe einer Web-Plattform. Die Bücher, die auf diese Weise entstehen, haben qualitativ hochwertige Inhalte und sind sofort am Ende des Sprints in gedruckter Form (Print-on-Demand) und in verschiedenen E-Book-Formaten verfügbar.
In der radikalsten Form gibt es keinerlei herstellerischen oder redaktionellen Vorlauf. Außer einer Idee, dem groben Thema oder einem schlagkräftigen Titel ist vorab wenig bekannt. Die Teilnehmer selber sind einander vielleicht noch nie begegnet.
Ähnlich wie bei einem Barcamp können so die Teilnehmer vor Ort mithilfe eines Whiteboards und Haftnotizen beschließen, was gemacht werden soll: Umfang, Gliederung und Schwerpunkte des Buchs.
Das Ganze ist ein moderierter Prozess, bei dem es entscheidend auf das Geschick des Moderators / Community Managers ankommt, den Abstimmungsprozess und die Einhaltung des Zeitplans im Auge zu behalten. Die Gruppe ist wegen ihres Engagements für das Thema des Buches ausgewählt worden und wird nun von Moderator(in) von Null bis zum fertigen Buch geführt:

  • Inhaltsverzeichnis brainstormen
  • Durchgehen, diskutieren und überprüfen in der Gruppe,
  • die einzelnen Kapitel ausarbeiten und diese Kapitel kollaborativ schreiben
  • überarbeiten und Endredaktion
  • Layout …

Dadurch, dass alle in einem Raum sind, ist der Prozess sehr intensiv, diskursiv und dialogisch.
Die Veranstaltung wird so zugleich zu einer Lernumgebung für alle Beteiligten.
Produkt und Prozess sind gleichbedeutend: Einerseits steht am Ende ein gemeinsam geschaffenes, physisch greifbares Objekt. Was zählt, sind aber Teambuilding,  kreativer Austausch und voneinander Lernen. Selbst wenn alle Beteiligten Experten für das Thema sind, haben sie doch ein unterschiedliches Verständnis der Themen – sie müssen sich darüber verständigen, wie dies im Buch erklärt werden soll.
Die Autoren können parallel schreiben, bearbeiten und freigeben. Damit wird die klassische Arbeitsteilung im traditionellen Herstellungsprozess aufgehoben. Inhaltliche Vorgaben werden durch die Teilnehmer (nicht von einem Herausgeber oder Verlag) gemacht.

Geschichte der Booksprints

Insgesamt ein noch junger Prozess, erst ungefähr drei Jahre alt. Die Idee zur Booksprint Methode hatte Tomas Krag, dessen Anregung von Adam Hyde aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Adam hat mittlerweile vielfache Erfahrung, was das “Sprinten” anbelangt. Er unterhält die Seite BookSprints.net, eine Sammlung von Fallstudien und Überlegungen zur Booksprint-Methode, sowie Booktype, eine Software-Plattform speziell für das gemeinschaftliche Schreiben. Adam Hyde ist Gründer von FLOSS Manuals. Ursprüngliches Ziel seines Booksprint-Projektes war es, die Quantität und Qualität der kostenlosen Dokumentationen zu freier Software zu erhöhen. Mittlerweile erforscht er Methoden der kollektiven Buchproduktion und hat die neue Plattform Booki kollaboratives Schreiben ins Leben gerufen.

Die meisten Erfahrungen mit Booksprints sind bisher im Bereich von Fachbüchern (nicht nur in der technischen Dokumentation) gemacht worden, es gibt kaum Erfahrungen im Bereich der Belletristik.

Ein Beispiel aus dem deutschen Sprachraum: Das Betahaus in Berlin/Hamburg hat einen Booksprint durchgeführt: a) weil Coworking Spaces sowieso Orte sind, an denen sich der Austausch von Ideen und das Zusammenarbeiten anbietet, und b) weil sie ein Buch machen wollten, um die Idee des Coworking bekannter zu machen.

Welche Vorteile hat ein Booksprint?

Wenn gut geplant, können in sehr kurzer Zeit qualitativ hochwertige Inhalte zustande kommen. Und der Spaß- und soziale Faktor kommt auch nicht zu kurz.
Die Teilnehmer inspirieren und motivieren sich gegenseitig, geben einander Feedback, und der Herausgeber muss nicht über einen längeren Zeitraum den Abgabeterminen hinterher rennen. Man redigiert und lektoriert gegenseitig.
Durch das persönliche Kennenlernen und miteinander Arbeiten entsteht eine Community, die idealerweise weiter Bestand hat. Eine Community rund ums Buch ist daran interessiert, den Content aktuell zu halten.

Was sind die Nachteile eines Booksprints?

Im Vorfeld ist sehr viel an Organisationsarbeit zu leisten. Es entstehen Reise-, Unterbringungs- und andere Logistikkosten.
Insgesamt muss ein organisatorischer Rahmen geschaffen werden, der bei verteilter Zusammenarbeit so nicht nötig wäre.
Für einzelne Teilnehmer können die Art und die Umstände des Schreibens sehr gewöhnungsbedürftig sein.

Was ist bei der Organisation eines Booksprints zu beachten?

a) Infrastruktur: Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Leute sich sofort hinsetzen und schreiben können. Die Location muss über die notwendigen Anschlüsse, WLAN usw. verfügen. Schon von daher bieten sich die so genannten Coworking Spaces an.

b) Die Community kommt vor dem Content:
Anders als beim verteilten Arbeiten in einem Redaktionssystem oder kollaborativ in einem Wiki ist es ganz entscheidend, zu klären: Wie bekomme ich die Menschen zusammen, um gemeinsam zusammen zu arbeiten? Wie vermittle ich den Teilnehmern das Gefühl, dass sie für sich etwas herausziehen, Spaß haben am Zusammensein mit Menschen, die ihre Interessen teilen?

Anne Gentle, die das Booksprint-Konzept für Dokumentation im Rahmen des Projekts “One Laptop per Child” umgesetzt hat, empfiehlt, sich – bei aller Spontaneität – im Vorfeld über die folgenden Fragen Gedanken zu machen:

  • Individuelle Einladung oder call for papers: Sinnvoll kann es sein, zuerst eine Kerngruppe einzuladen und sich auf eine Location und Zeit zu einigen. Dann diesen Teilnehmern erlauben, weitere einzuladen – oder ganz öffnen
  • “exklusiver” Content oder Wiederverwendung: Es geht beim Booksprint um eine schnelle und effiziente Produktion.  Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Planung mit Wiederverwendbarkeit im Hinterkopf. Jedes Kapitel kann und soll für sich allein stehen und später in anderen Kontexten wieder verwendet werden. Dieser Gedanke ist typisch für die technische Dokumentation. Aber auch für andere Zwecke kann der Gedanke an die Wiederverwendung wichtig werden: wenn Nutzer sich später individuell ihre eigenen Handbücher oder Lernmaterialien zusammenstellen können sollen.
  • Existierender Content als “Zündfunke”: Idealerweise ist der Content schon vorher in ähnlicher Form veröffentlicht worden – d.h. Blog-Recycling und -Aktualisierung. Teil des Planungsprozesses ist es, existierenden Content zu identifizieren; schließlich geht es bei Handbüchern nicht um Grundlagenforschung, sondern um Praxiserprobtes. Es kann auch motivierend auf andere Beitragende wirken, wenn schon etwas da ist. Und ehrgeizfördernd. Selbst wenn der “Starter”-Content am Ende wieder raus fliegt.
  • Richtlinien und Redaktionsleitfaden: Im Detail werden sich Formalia und Prozesse während des Booksprints entwickeln. Man kann sich jedoch im Vorfeld schon überlegen: gibt es formale Vorgaben pro Kapitel (z.B. jeweils Zusammenfassung, how to, lessons learned.)
  • Welche Tools werden verwendet: Fürs Erstellen, Überarbeiten/Redaktion. Wie und durch wen werden Kommentare und Änderungen je nach Autor festgehalten und eingearbeitet.
  • Wie soll der Freigabeprozess geregelt werden und durch wen?
  • Müssen wirklich alle Teilnehmer vor Ort präsent sein? Da man im Normalfall eine Online-Plattform nutzen wird, können Leute “remote” teilnehmen. Aber das sollte die Ausnahme sein, denn sonst wäre es ja kein Booksprint, sondern ein “normales” Buchprojekt. Es gilt dann zu planen, wie die Onliner und Offliner koordiniert werden sollen, um den fruchtbaren Austausch zu ermöglichen.

“Bücher sind eigentlich Internetseiten”

Adam Hyde auf der re:publica 2012

“Um die neue Welt des Buches verstehen, müssen wir unsere Annahmen, was denn ein Buch sei, infrage stellen und den Entstehungsprozess von Büchern neu denken. Wir müssen verstehen, dass das Web nicht nur das Format der Medien und die verfügbaren Vertriebswege, sondern den kulturellen Kontext, die wirtschaftlichen und sozialen Prozesse rund um das Buch verändert hat. Das Web verändert die Gründe, warum Bücher existieren, und ihren Einfluss auf die Produktion von Wissen und Kultur. Diese seismischen Veränderungen treten auf, weil eine Webseite ein Buch ist, oder besser gesagt, ein Buch ist nur eine Webseite.”

Adam Hyde sieht sein Projekt im Rahmen eines weit gehenden Paradigmenwechsels, der ausgelöst wurde durch Trends wie Selbstverlegen und Veränderungen durch  Webtechnologien:

  • neue, leicht handhabbare Online-Tools für die Produktion,
  • neue Formen der Lizenzen
  • Zusammenarbeit als selbstverständliche Form des Arbeitens vor allem bei Entwicklern  freier Software
  • Publikation im Zeitalter des Web 2.0 ist ein zyklischer Prozess, ein offener und transparenter Prozess

Entsprechend der direkte Dialog mit den Nutzern – sozusagen “Schreiben 2.0”. Laut Adam Hyde ist es gerade für Handbücher ideal, wenn auch am Booksprint eine Person als Vertretung der User teilnimmt, so dass die Autoren sogar mit “ihrer Zielgruppe” sprechen können. (Auch dies eine Analogie zu Programmiersprints.) Wenn diese Person sagt: “das verstehe ich nicht!”, wird es unter Umständen ernster genommen.

Die Sache mit der Reputation

Wie Adam Hyde eher am Rande in seinem Vortrag bei der re:publica 2012 bemerkte: Die Art des Schreibens, dass nämlich ein gemeinsamer Text entsteht, bewirkt, dass der Autor als solcher in den Hintergrund tritt.
Die Anerkennung geht an den Moderator, nicht die Autoren. Reputation, die es leichter machen werde, für weitere Projekte Sponsorengelder zu akquirieren.
Interessant ist die Rolle des Moderators: Er/Sie soll sich um die Finanzierung, die richtigen Rahmenbedingungen kümmern, den Gruppenprozess moderieren und die Autoren motivieren – jedoch neutral bleiben, was die Inhalte betrifft. (Anders als im traditionellen Verlagsgewerbe, wo es zwar auch darum geht, Autorenteams zu motivieren und Teambesprechungen zu moderieren – im Zweifelsfall jedoch auch die inhaltliche Kontrolle zu behalten.)

Finanzielle Gesichtspunkte

Wie lässt sich damit eigentlich Geld verdienen? Der traditionelle Weg sieht vor, dass der Verlag die Produktion vorfinanziert und die Autoren eine Pauschale bzw. einen Vorschuss auf die Tantiemen erhalten. Die Finanzierung erfolgt dann erst durch den Verkauf des Buches.

Beim Booksprint steht dagegen das Open Resource-Konzept im Vordergrund, das heißt: Die Haupteinnahmen sind nicht aus dem Verkauf des Buches, sondern auf anderem Wege zu erzielen.
Ein wesentliches Ziel ist es darum, Einnahmen zu Beginn des Prozesses zu generieren, nicht am Ende. Es gilt, Gelder einzusammeln, bevor das Buch produziert wird, beispielsweise über Crowdfunding (siehe Kickstarter), über Sponsoren und Spenden.
Je gelungener das Produkt, desto leichter wird die Finanzierung beim nächsten Mal – eine gute Reputation hilft bei der Sponsorenakquise. (So Adam Hyde in seinem re:publica-Vortrag.)

Quellen

Adam Hyde, A Webpage is a Book,  http://www.booki.cc/a-webpage-is-a-book/a-webpage-is-a-book/
http://www.booksprints.net/book-sprint-methodology/
http://creative.arte.tv/en/space/transmediale_tv/message/897/transmediale_2011_Open_Web_Booksprint/
http://en.flossmanuals.net/Booki-User-Guide/ch002_what-can-i-use-booki-for/
Anne Gentle, Conversation and Community: The Social Web for Documentation. XML Press 2009. ISBN-13: 978-0982219119, pp. 112-124

Weiterführende Links

Anschauungsbeispiele für die Pitchkultur und das spontane Teambuilding, das typischerweise in der Coderszene entsteht, können die so genannten hackathons bieten:
“(… ) der schönste Code, die überzeugendste Anwendung wird prämiert.
Nach zwei Tagen durchcoden mit neuen Programmiergefährten und konkreten Ergebnissen gibt es ein Abschluss-Get-Together inklusive gepflegtem Anstoßen.”
http://hackathon.advance-conference.com/

booksprint = 1 Buch 4 Tage 6 Autoren 17 Kapitel 22.000 Worte “Wenn diese Form des kollaborativen Schreibens das Herz des coworkers höher schlägen lässt, bringt die Devise “let the text go” zugegebenermaßen das Herz des Akademikers eher zum Bluten.”
http://hamburg.betahaus.de/2010/11/23/booksprint-1-buch-4-tage-6-autoren-17-kapitel-22-000-worte/

David Weinberger und “das Ende des Buches” http://www.kmworld.com/Articles/Column/David-Weinberger/The-long-form-of-webby-knowledge-69499.aspx  Was ist eigentlich heute ein “Buch”? Wann können wir von “buchartigen Inhalten” (long-form content) sprechen; Wofür brauchen wir eigentlich immer noch Bücher?
siehe auch:
David Weinberger, Too Big to Know: Rethinking Knowledge Now That the Facts Aren’t the Facts, Experts Are Everywhere, and the Smartest Person in the Room ist the Room. Basic books 2012, pp. 93-119

Abgrenzung / Fließende Übergänge zu Projekten wie
http://l3t.eu/homepage/
“115 Autor/innen, über 80 Gutachter/innen sowie viele weitere Personen haben es möglich gemacht das Themenfeld umfassend darzulegen.” Wie ändern sich hier inzwischen die Prozesse?

José Luis de Vicente interview

from http://www.v2.nl/archive/articles/interview-with-jose-luis-de-vicente


José Luis de Vicente

José Luis de Vicente is a journalist and curator specialized in digital culture, art and technology. He works at the edges of New Media Arts, Digital Creativity, and Innovation in Design and Culture. This week he is one of the participants in the book sprint at V2_, which will deliver a book dealing with the New Aesthetics on Thursday. The process can be followed at the booki-site. Actually this is Vicente’s second book sprint, as he tell us in a short interview on monday afternoon.

By Arie Altena

Could you tell us something about the process in this book sprint?

Speaking about the process is a bit complicated right now. To use a metaphor, it is now still at a stage where they’ve give you the rough ingredients, there are four people that you have hardly met, and together you have to cook a real dish. We are still standing around the kitchen table with the ingredients and saying things like “well, this could taste good with this, but this with this is not going to work”. We are not even tasting yet. Each of us is in a tiny corner of the kitchen looking at the ingredients, knowing we have to cook something before thursday, because then the guests are coming. It is hard to be specific about what we are doing now, and what will come out of it.

What do you see as the subject for the book?

We have one story going, which is about the notion of the New Aesthetic, which has attracted quite a bit of attention in the past three months. Obviously we do not want it to become a book on ‘The New Aesthetics’, rather we would like to explore the very different set of concepts, ideas and modes of operation that have been embedded under this umbrella. For instance cultures of curation online, the aesthetics of Tumblr, the selection and gathering of elements of information. Then we have to think about what it does mean. It is actually counter-intuitive to the way curation has operated traditionally. Other things we think about are the notion of ‘data first, theory later’, as we called it yesterday, which is the tendency to accumulate information to afterwards try to extrapolate dimensions and senses from, to the ontological implications around the debate between the digital and the real. Think about the New Aesthetic as a sort of eruption of the digital mechanics that are underlying the processes that give shape to reality today. And then we are thinking of things like drones, and algorithms, and data centers, all things that we find interesting to look at.

But as I say, this is day one, and there are seven people with seven different brains form different countries, with different backgrounds. We are trying to meet halfway. Michael Dieter is for instance an academic, with a strong background in philosophy, I am a curator and cultural producer, actually closer to journalism and with a background in cultural analysis. We share a lot of interests, but I know nothing about contemporary philosophy and I can not write in academy-speak. My specialty is making complex systems and phenomena understandable in terms of a narrative.

Each of us has biases, there are things we are for and things we are against. Things we are enthusiastic about and things which make us suspicious. These things do not necessarily fit. It is a bit of a poker game too, each of us has a hand of cards that we play with. This will become more evident once we put written words on the table.

The fact that Adam Hyde plays the role of referee is very helpful. He also reminds us of the fact that we need the book before thursday, which he shouldn’t remind us too often because the idea is actually quite scary. We are here for almost a week to get the book done. It creates tensions as well.

I did another book sprint before this one, and the really interesting thing is the dialogue and the process. It is almost like a mini-symposium just for the purpose of getting something out.

What is the book sprint for you?

The book sprint is actually a specific form of contemporary cultural production. It is a strict methodology producing a very specific cultural event. For cultural organizations that is very interesting, it is one of the languages or modes in which we operate today. Designing it. You have the Pecha Kucha algorithm, a set of rules that can be exported an applied in different contexts, and that is expected to produce an outcome because it has been tested, and you have the book sprint algorithm. I find it interesting because I think cultural organizations should do research not only in terms of what they are interested in but also in how they operate. They should do permanent format research. They are a labs for rethinking of how to arrange the elements in a conversation in the space of engagement that a cultural event is.

What is the card you want to put on the table ? What is your plan, being invited for this book sprint?

For me pushing an agenda or pushing a central idea to develop in a book sprint is completely secondary to the process. If I wanted to push an idea I would stay at home and write it myself. That would be easier and more effective. A book sprint it is completely about the engagement, the conversation, and the sense of play.
So you are here in the first place for the other people?

Absolutely. Michelle Kasprzak invited me to play in the space of engagement that is created in this book sprint. I may have many doubts about how the result will be validated, but I have no doubt about the value of this kind of choreography of ideas that is unravelled in a process like this, in this open freeform thinking dialogue that is channeled by the book sprint. It is good training, I would recommend it to anybody.